Wir sind auf vertrautem Gelände, wenn wir ein Problem angehen, indem wir seine direkte Ursache bekämpfen. Verbrechen durch Abschreckung. Drogen durch Verbote. Terrorismus durch das Ausschalten von Terroristen. Unkraut durch Gift.
Das ist Kriegslogik, und sie funktioniert in einfachen Fällen. Nur ist die Welt selten einfach. Ursache und Wirkung hängen meist nicht linear zusammen.
Ein verarmter Boden zieht Unkraut an. Ein ausgelaugter Körper bietet Keimen eine einladende Umgebung. Armut erzeugt Verbrechen. Entfremdung und der Zerfall von Gemeinschaften fördern Sucht. In all diesen Fällen bekämpfen wir das Symptom und wundern uns, dass es wiederkommt — meist heftiger als vorher.
Beim Klima ist es dasselbe. Es ist ein fiebriges Symptom eines tieferen Ungleichgewichts, das alle Bereiche unserer Zivilisation betrifft. Wer alles auf eine einzige Zahl zurückführen will, macht es sich bequem: Man muss dann nicht mehr alles anschauen.
Genau hier wird es für mich beruflich konkret. Die größte Bedrohung sind nicht allein die Emissionen. Es ist der Verlust von Wäldern, Böden, Feuchtgebieten und marinen Lebensräumen. Die Erde hält ihr Gleichgewicht durch das Zusammenspiel unzähliger lebender und nicht lebender Teile. Leben bringt Leben hervor.
Wenn diese Beziehungen reißen, werden die Folgen unvorhersehbar. Erwärmung vielleicht. Vielleicht auch Abkühlung. Vielleicht einfach ein System, das immer heftiger schwankt.
Diese Gedanken stammen aus Charles Eisensteins Buch „Klima. Eine neue Perspektive", das ich damals gelesen habe und das mein Denken bis heute prägt. Wer nur die Bilanz betrachtet, verpasst den Ort. Und der Ort merkt es sich.


