# Ein neues Geschäftsfeld für Elektromobilität aufbauen

> Als es kaum Ladeinfrastruktur und noch keinen etablierten Markt gab, entstand eine Business Unit für Onboard-Charging-Systeme.

- Fallstudie von: Christoph J. Sorg
- Quelle: https://sorg.at/projekte/brusa-elektromobilitaet/

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## Ausgangslage

2011 war Elektromobilität für die meisten eine Wette. Es gab kaum Ladeinfrastruktur, keinen etablierten Markt und viele Diskussionen darüber, ob sich das jemals durchsetzt.

Gleichzeitig verlangten BMW und Daimler bereits Systeme, die nicht als Prototyp, sondern in OEM-Qualität und in Serie funktionieren mussten. Zwischen diesen beiden Wirklichkeiten — Marktzweifel und Serienanforderung — musste ein Geschäftsfeld entstehen.

## Der Rand

Labor und Serie.

Ein funktionierender Prototyp und ein serientaugliches Produkt sind zwei völlig verschiedene Dinge. Zwischen ihnen liegen Toleranzen, Prüfprozesse, Lieferketten, Stückkosten und die Frage, was passiert, wenn dasselbe Bauteil zehntausendmal gebaut wird statt einmal. Diesen Übergang zu organisieren war die Arbeit — nicht die Erfindung.

Hier habe ich gelernt, was ich später überall wiedergefunden habe: Es gibt Kräfte, die man nicht überstimmt. Im Wald heißen sie Wetter und Hang. In der Serienproduktion heißen sie Toleranz und Takt.

## Meine Rolle

Leiter der Business Unit mit Verantwortung für Aufbau, Kunden, Team, Lieferkette und Serienumsetzung.

## Was ich getan habe

- **Die Geschäftseinheit von Grund auf aufgebaut** — Kundenbeziehungen, Struktur, Angebot. Es gab nichts, das man hätte fortführen können.
- **Entwicklung und Industrialisierung der Onboard-Charging-Systeme geführt**, von der Auslegung bis zum Serienanlauf.
- **Projekte mit bis zu 90 Mitarbeitenden gesteuert**, über Entwicklung, Fertigung und Qualität hinweg.
- **Vertrieb, Lieferketten und Serienanlauf verbunden** — die drei Bereiche, die in dieser Phase am häufigsten aneinander vorbeiarbeiten.

## Wirkung

- Umsatzstärkste Business Unit des Unternehmens
- Serienprojekte für BMW und Daimler
- Bayerischer Staatspreis für Elektromobilität 2013, verliehen im Rahmen des eCarTec Award

## Was davon bleibt

Einen Markt zu bedienen und einen Markt zu erfinden sind zwei verschiedene Berufe. Wer zu früh dran ist, verkauft nicht das Produkt, sondern zuerst die Möglichkeit.

Dieselbe Erfahrung hilft mir heute im Holzbau. Auch dort halten viele das industrielle Denken noch für eine Wette — und auch dort wird sich die Frage in ein paar Jahren erledigt haben. Die Frage ist nur, wer bis dahin gebaut hat.

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Christoph J. Sorg ist gelernter Forstwirt und studierter Mechatroniker. Er lebt im Bregenzerwald in Vorarlberg und baut seit rund zwanzig Jahren Systeme an der Schnittstelle von Industrie, Bauen und Technologie: erst Antriebe und Onboard-Charging in der Elektromobilität, dann Innovation und Joint Ventures in einer Bauholding, dann eine branchenübergreifende Innovationsplattform für die Vorarlberger Industrie, dann regenerative Wertschöpfung. Heute verantwortet er Vertrieb und KI-Transformation bei WoodRocks und myblock im industriellen Holzsystembau. Am liebsten arbeitet er an Systemrändern: dort, wo zwei Bereiche aneinanderstoßen und etwas entsteht, das in keinem von beiden möglich war.
