# Niedere242 — Einen Schritt näher

> Ein Tag auf dem Berg über Stille, Geschichten, Grenzen, Vertrauen, Abhängigkeit, Übung, künstliche und natürliche Intelligenz — und die Frage, was davon im Heute bleibt.

- Autor: Christoph J. Sorg
- Veröffentlicht: 2026-10-02
- Rubrik: Langstrecke
- Schlagworte: Führung, Resonanz, KI, Bregenzerwald
- Quelle: https://sorg.at/magazin/niedere242-einen-schritt-naeher/

---

Ein Berg. Menschen, die sich Zeit nehmen. Geschichten statt PowerPoint-Folien. Psychologie, Spiritualität, Grenzerfahrungen, Spitzensport, Musik, Natur — und immer wieder die Frage: Was bedeutet es eigentlich, einen Schritt näher zu kommen?

Näher zu sich selbst. Näher zu anderen. Näher zu dem, was wirklich wichtig ist. Und vielleicht auch näher zu Möglichkeiten, die wir zunächst gar nicht für möglich halten.

Was zunächst wie eine Folge sehr unterschiedlicher Beiträge wirkte, entwickelte im Laufe des Tages einen erstaunlich klaren roten Faden. Es ging um Stille und Reizüberflutung. Um Nähe und Alleinsein. Um Geschichten, die uns begrenzen, und Geschichten, die Zukunft ermöglichen. Um Menschen, die an unserem Wegesrand stehen und erklären, warum etwas nicht funktionieren kann. Um Abhängigkeit — nicht als Schwäche, sondern als bewusst gestaltete Stärke. Um die Frage, was wir eigentlich jeden Tag üben. Und um künstliche Intelligenz und die Gefahr, darüber unsere natürliche zu verlernen.

Am Ende stand eine ziemlich einfache Erkenntnis: Es reicht nicht, etwas verstanden zu haben. Entscheidend ist, was davon im Alltag tatsächlich gelebt wird.

## Der Ort als Teil der Botschaft

Die Niedere war nicht nur Veranstaltungsort. Sie war Teil des Konzepts.

Wer oben ankommt, hat bereits etwas getan, bevor der erste Vortrag beginnt. Man verlässt für einige Stunden die übliche Umgebung. Die Geschwindigkeit verändert sich, der Blick wird weiter, das Smartphone verliert zumindest theoretisch etwas von seiner Dominanz. Man sitzt nicht in einem Kongresszentrum, sondern draußen. Wind, Sonne, Menschen, Berge, Weite.

Damit entstand genau jener Raum, über den später mehrfach gesprochen wurde: Abstand zum permanenten Reiz. Das Motto bekam dadurch eine doppelte Bedeutung. Man musste tatsächlich Schritte machen, um hinzukommen. Und gleichzeitig ging es den ganzen Nachmittag darum, einen gedanklichen Schritt zu machen — manchmal weg von einer bisherigen Überzeugung, manchmal näher an einen anderen Menschen, manchmal schlicht einen Schritt weiter, obwohl andere sagen: „Das geht nicht."

## Nicht mehr wissen, sondern anders leben

Je länger der Nachmittag dauerte, desto deutlicher wurde: Keiner der Beiträge lieferte eigentlich völlig neues Wissen.

Wir wissen, dass Bewegung guttut. Dass Natur guttut. Dass permanente Ablenkung nicht gesund ist. Dass Menschen Anerkennung brauchen, dass Zuhören wichtig ist, dass Beziehungen gepflegt werden müssen und dass man durch Übung besser wird. Wir wissen, dass ein Ziel nur erreicht wird, wenn irgendwann der erste Schritt gemacht wird.

Und trotzdem verbringen wir enorme Energie damit, noch mehr Bücher zu lesen, Podcasts zu hören, Seminare zu besuchen, Apps zu installieren und neue Werkzeuge zu suchen. Felix Gottwald brachte das später sinngemäß auf den Punkt: Wir haben wahrscheinlich nicht zu wenige Werkzeuge. Die entscheidende Frage ist, ob wir die vorhandenen überhaupt verwenden.

Damit lässt sich der ganze Nachmittag in einen Satz fassen: Nicht noch mehr Wissen sammeln — sondern etwas von dem, was wir längst wissen, tatsächlich üben.

## Christoph Lang: zuerst die Frage nach dem Wesentlichen

Der geistliche Beginn setzte einen wichtigen Rahmen. Noch bevor es um Leistung, Selbstoptimierung, Karriere, Grenzerfahrungen oder Technologie ging, stand die Frage: Was trägt einen Menschen eigentlich?

Ein solcher Beginn verändert einen Tag. Er verschiebt den Fokus weg von „Was kann ich, was habe ich erreicht, was muss ich noch schaffen?" hin zu: Wie gehe ich mit Menschen um? Was gebe ich weiter? Was bleibt? Wie bin ich Teil einer Gemeinschaft?

Damit wurde früh eine Grundspannung sichtbar, die später immer wieder auftauchte: Individualität und Gemeinschaft. Wir sollen eigenständig sein, leben aber nie vollständig allein. Wir sollen Verantwortung für uns übernehmen und gleichzeitig füreinander da sein. Wir sollen unseren eigenen Weg gehen und dürfen nicht vergessen, dass dieser Weg andere Menschen berührt.

## Barbara Beinsteiner: Zukunft beginnt mit den Geschichten, die wir erzählen

Barbara Beinsteiners Beitrag zeigte eine andere Form von Wirklichkeit: Geschichten. Menschen orientieren sich nicht ausschließlich an Daten und Fakten. Sie orientieren sich an Bildern, an Erzählungen, an Bedeutungen — an dem, was sie sich vorstellen können. Das gilt für Kinder, für Organisationen, für Unternehmen und für ganze Gesellschaften.

Ihre Botschaft war nicht, dass Fakten unwichtig sind. Sondern dass Fakten allein Menschen selten bewegen. Menschen müssen eine Vorstellung davon entwickeln können, wie Zukunft aussehen könnte.

### Sprache baut Denkräume

Besonders interessant war der Gedanke, dass bereits Begriffe Wirklichkeit strukturieren. Beinsteiner spielte mit dem Gegensatz von militärisch geprägter Sprache und der möglichen Erzählung einer Friedensmission. Entscheidend ist daran nicht die konkrete politische Umsetzung, sondern die Mechanik: Ein Begriff aktiviert sofort bestimmte Bilder, ein anderer Begriff andere.

„Pflicht" erzeugt etwas anderes als „Mission". „Verteidigung" etwas anderes als „Frieden". „Problem" etwas anderes als „Aufgabe", „Scheitern" etwas anderes als „Lernschritt", „Behinderung" etwas anderes als „andere Voraussetzung". Sprache ist deshalb nie völlig neutral. Sie schafft Denkräume — oder begrenzt sie.

### Geschichten als Führungsinstrument

Auf Unternehmen übertragen wird das besonders interessant. Menschen folgen selten einer Excel-Tabelle. Sie folgen einer Vorstellung davon, wohin etwas führen könnte.

Eine Veränderung wird schwierig, wenn sie nur so kommuniziert wird: Kosten reduzieren, Prozesse optimieren, Organisation umbauen, Technologie einführen. Ganz anders wirkt: Warum machen wir das? Was wird dadurch möglich? Welches Problem lösen wir? Wie sieht die Zukunft aus, wenn es funktioniert?

Das ist keine Schönfärberei. Es ist Orientierung. Die Frage lautet nicht nur „Was ist wahr?", sondern auch: Welche Geschichte erzählen wir über diese Wahrheit?

## Christian Peter Dogs und Florian Weber: Müssen wir wirklich alles optimieren?

Der Dialog von Christian Peter Dogs und Florian Weber brachte eine völlig andere Energie in den Nachmittag. Dogs provozierte, absichtlich. Er überspitzte und zwang damit zum Widerspruch und zum Nachdenken.

Ein Thema war die starke gesellschaftliche Beschäftigung mit psychischer Gesundheit. Dogs formulierte die These, dass immer mehr menschliche Zustände sehr schnell mit einem Krankheits- oder Störungsbegriff versehen würden. Das ist als provokante Position zu verstehen, nicht als medizinische Feststellung — denn selbstverständlich gibt es gute Gründe dafür, dass psychische Erkrankungen heute stärker erkannt und weniger stigmatisiert werden. Hinter der Zuspitzung steckte aber eine interessante Frage: Wann wird Selbstbeobachtung hilfreich, und wann wird sie selbst zum Problem?

### Vom Zuwenig zum vielleicht Zuviel

Früher, so Dogs, seien psychische Erkrankungen stark tabuisiert worden; Menschen hätten zu wenig über ihr Befinden gesprochen. Heute könne das Pendel teilweise in die andere Richtung ausschlagen. Wir beobachten uns ständig: Wie fühle ich mich? Bin ich glücklich, gestresst, erschöpft? Ist das noch normal? Das Smartphone liefert dazu permanent Daten — Schlaf, Puls, Bewegung, Stimmung, Stress.

Daraus entsteht ein Paradox: Je mehr wir uns beobachten können, desto mehr beschäftigen wir uns möglicherweise mit uns selbst. Dogs' Gegenposition war radikal einfach. Nicht jedes unangenehme Gefühl ist eine Krankheit. Nicht jede Phase muss optimiert werden. Nicht jeder Mensch muss permanent glücklich sein.

### Zufriedenheit statt Glückszwang

Ein Satz blieb besonders hängen: Es reicht doch vielleicht, zufrieden zu sein.

Das klingt banal und ist in einer Kultur permanenter Optimierung fast radikal. Glück wird wie ein Ziel behandelt — ein glücklicher Beruf, eine glückliche Beziehung, glückliche Kinder. Wer nicht glücklich ist, fragt sich schnell, was mit ihm nicht stimmt. Dogs stellt dem eine niedrigere, aber realistischere Messlatte entgegen. Ein Leben muss nicht permanent euphorisch sein, eine Beziehung nicht ständig leidenschaftlich, ein Beruf nicht jeden Tag Sinn stiften. Das nimmt Druck.

### Alleinsein ist nicht Einsamkeit

Dogs wehrte sich gegen pauschale Aussagen wie „Einsamkeit macht krank". Menschen unterscheiden sich: Manche brauchen viel Gemeinschaft, andere deutlich mehr Rückzug. Problematisch sei vor allem ungewollte Einsamkeit. Gewähltes Alleinsein könne etwas sehr Wertvolles sein — man solle es sogar trainieren.

Seine provokante These: Nur wer grundsätzlich allein leben kann, ist wirklich beziehungsfähig. Sonst entsteht eine Beziehung nicht aus freier Entscheidung, sondern aus Angst. Daraus sein Satz:

> Nicht: „Ich brauche dich." Sondern: „Ich brauche dich nicht — aber ich will dich."

Die Beziehung wird damit nicht weniger wichtig. Sie wird freiwilliger.

### Nähe ist nicht Erreichbarkeit

Noch nie konnten Menschen so leicht in Kontakt bleiben. Und trotzdem bedeutet permanente Verbindung nicht automatisch Nähe — vielleicht sogar im Gegenteil. Wer immer weiß, wo alle anderen gerade sind, erlebt auch permanent, wo er selbst gerade nicht dabei ist. Vergleich entsteht, Druck entsteht. Nähe scheint ständig verfügbar; echte Verbundenheit muss trotzdem erst entstehen. Vielleicht ist Aufmerksamkeit heute eine der wertvollsten Formen von Nähe.

### Stille als Gegenbewegung

Dogs formulierte einen der stärksten Sätze des Tages:

> Stille stellt uns keine Fragen, aber Stille gibt uns alle Antworten.

Im Auto läuft etwas. Beim Sport laufen Podcasts. Im Zug wird gearbeitet, beim Warten das Smartphone herausgeholt, selbst beim Wandern sind Kopfhörer im Ohr. Damit vermeiden wir etwas, das früher zwangsläufig zum Leben gehörte: Leerlauf. Dogs bezeichnete Langeweile nicht als Problem, sondern als wertvolles Gut. Vielleicht entstehen manche der besten Gedanken genau in den Zwischenräumen — nicht im Meeting, nicht beim Scrollen, sondern beim Aus-dem-Fenster-Schauen.

### Erwartungen, unsere Enttäuschungsmaschine

Wir erwarten viel von uns: mehr Leistung, mehr Erfolg, mehr Gelassenheit, mehr Zeit. Und wir erwarten viel von anderen — vom Partner, von Kindern, Kollegen, Unternehmen, Politik. Dogs nannte überhöhte Erwartungen sinngemäß eine Enttäuschungsmaschine. Die Logik ist einfach: Je stärker die Realität von meiner Vorstellung abweicht, desto größer die Enttäuschung. Der Vergleich verstärkt das. Irgendjemand ist immer reicher, sportlicher, erfolgreicher, entspannter. So kann man objektiv sehr viel haben und sich trotzdem unzureichend fühlen.

### Ehrlichkeit, Anerkennung — und die notwendige Gegenstimme

Dogs argumentierte stark für ehrliche Rückmeldung: Wie soll sich jemand verändern, wenn niemand sagt, was tatsächlich wahrgenommen wird? Sein Beispiel war ein Vorstandsvorsitzender, der sich wunderte, warum Menschen im Gespräch Abstand hielten. Der Grund war Mundgeruch, und niemand hatte es ihm gesagt. Das klingt banal und zeigt ein echtes Problem: Je größer die Hierarchie, desto eher verschwindet ehrliches Feedback. Menschen sagen dem Chef irgendwann, was er hören möchte — nicht, was er wissen müsste.

Zur Anerkennung unterschied er zwischen einem normalen menschlichen Bedürfnis und destruktiven Formen. Menschen brauchen Resonanz. Wir wollen wahrgenommen werden und spüren, dass unser Tun Bedeutung hat. Problematisch wird es erst dort, wo Anerkennung einen extrem fragilen Selbstwert stabilisieren muss oder auf Kosten anderer gesucht wird.

Wichtig war, dass Florian Weber nicht einfach zustimmte. Gerade bei der Eigenverantwortung setzte er Grenzen: Wer in einer gewalttätigen, ökonomisch abhängigen oder emotional massiv belastenden Beziehung steckt, dem kann man nicht sagen, er entscheide doch selbst, ob er sich so behandeln lässt. Entscheidungsfreiheit existiert nie losgelöst von Umständen — Finanzen, Kinder, Gewalt, Traumata, Machtverhältnisse. Auch starke Aussagen brauchen Gegenargumente.

## Andy Holzer: nicht besser, nicht schlechter — anders

Andy Holzer führte den Nachmittag in eine völlig andere Welt. Blind seit früher Kindheit. Berge, Klettern, Dolomiten, Everest. Erstaunlicherweise handelte seine Geschichte kaum von der „Überwindung einer Behinderung". Sie handelte davon, wie Menschen Wirklichkeit interpretieren.

Als Kind hörte Holzer die anderen Kinder draußen Fußball spielen. Die Sonne schien — für die anderen, nicht für ihn. Man könnte daraus eine Geschichte über Ungerechtigkeit erzählen. Holzer erzählt eine andere: Am Abend kamen die Kinder zu ihm. Der Ball war im Dunkeln verschwunden, sie konnten ihn nicht finden. Andy schon. Was tagsüber ein Nachteil war, war nachts keiner mehr.

Dieser Gedanke ist überraschend modern. Diversität wird meist moralisch diskutiert; Holzer liefert eine praktische Perspektive. Der Fehler entsteht, wenn wir einen Menschen nur danach bewerten, was er im Vergleich zur Norm nicht kann — dann sehen wir Defizit. Fragen wir dagegen, was dieser Mensch besser oder anders kann, entsteht Fähigkeit. Diversität wird vom Sozialthema zum Leistungsprinzip.

### Die Passanten

Eine der stärksten Geschichten des Tages begann 2005 auf einem Parkplatz in den Dolomiten. Drei Männer kommen an. Einer hat zwei Beinprothesen, zwei sind blind. Sie tasten sich am Fahrzeug entlang und suchen die Kletterausrüstung. Rundherum erfahrene Kletterer — man kann sich vorstellen, was sie gedacht haben. Was sie nicht wissen: Die drei wollen gemeinsam in eine anspruchsvolle, rund 400 Meter hohe Wand einsteigen.

Holzer nennt die Menschen am Wegesrand „Passanten". Ein Passant sieht einen Ausschnitt, fünf Minuten vielleicht. Er kennt nicht die Jahre der Vorbereitung, das Training, das Vertrauen, die Technik, die Rückschläge. Und trotzdem bildet er sich in Sekunden ein Urteil.

Wer etwas tun möchte, das noch niemand kennt, trifft zwangsläufig auf Menschen, deren Erfahrung aus dem Bestehenden stammt. Darum lautet die Antwort so häufig: Das geht nicht, das ist zu gefährlich, das funktioniert niemals. Holzers Botschaft war dabei keineswegs, dass alle Kritiker Idioten sind. Im Gegenteil: Sie können es gar nicht wissen, sie haben es noch nie erlebt. Deshalb muss man nicht gegen Passanten kämpfen, nicht jeden überzeugen, nicht arrogant werden. Freundlich bleiben — vielleicht wird aus einem Passanten irgendwann ein Kunde. Und vor allem: Wir selbst sind ständig Passanten im Leben anderer Menschen.

### Voraussetzungen sind dynamisch

Menschen sagen: Ich kann das nicht. Mir fehlt die Ausbildung, das Kapital, die Erfahrung, das Netzwerk. Aber Voraussetzungen sind nicht statisch. Sie entstehen auch dadurch, dass jemand beginnt. Wer eine Herausforderung meidet, entwickelt bestimmte Fähigkeiten nie; wer sie annimmt, verändert sich. Die Frage lautet also nicht, welche Voraussetzungen ich heute habe — sondern welche ich entwickeln könnte.

### Die Führungskraft führen

Holzer erzählte, wie er schon als Kind Eltern und Lehrer „führen" musste. Sie wussten nicht automatisch, wie man mit einem blinden Kind umgeht. Er konnte nicht darauf warten, dass Erwachsene alle Lösungen liefern; er musste ihnen erklären, was für ihn funktioniert. Daraus wurde sein Begriff der dynamischen Führung:

> Ich muss meine Führungskraft führen, damit sie mich führen kann.

Für Unternehmen ist das enorm relevant. Eine Führungskraft kann heute unmöglich alles wissen. Der Mitarbeiter kennt die Details, der Techniker das System, der Verkäufer den Kunden, der Planer die Schnittstelle. Wenn alle darauf warten, dass „oben" die Lösung entsteht, verliert die Organisation Geschwindigkeit und Qualität. Führung ist keine Einbahnstraße.

### Gepflegte Abhängigkeit

Holzers vielleicht stärkster Begriff. Unsere Kultur bewertet Unabhängigkeit fast automatisch positiv: niemanden brauchen, alles allein schaffen. Holzer hält das für unrealistisch. Das ganze Leben besteht aus Abhängigkeiten — von Menschen, Natur, Technik, Infrastruktur. Am Everest wird das nur offensichtlicher.

Seine Expedition beschrieb er nicht als „ein blinder Mann plus zwei Helfer", sondern als Team unterschiedlicher Experten. Der eine für Schnee und Eis, der andere für Route und Berg, Holzer selbst für das, was er über Jahrzehnte gelernt hat: seinen Körper ohne Sehen durch komplexes Gelände zu bewegen. Keiner konnte alles. Nicht Starker hilft Schwachem, sondern unterschiedliche Fähigkeiten ergänzen sich. Die Qualität entscheidet sich daran, wie diese Abhängigkeit gestaltet wird.

Hier traf Holzer auf Dogs. Der eine sagt: Lerne, allein zu sein. Der andere: Akzeptiere deine Abhängigkeit. Ein Widerspruch nur auf den ersten Blick. Zusammen ergibt sich ein sehr starker Gedanke: Sei innerlich eigenständig — aber glaube nicht, dass du deshalb niemanden brauchst.

### „Das brauche ich nicht" und der Everest

Lange sagte Holzer über den Everest: „Das brauche ich nicht." Irgendwann erkannte er, dass dieser Satz auch ein Schutzmechanismus sein kann. Wer sagt „brauche ich nicht", muss gar nicht mehr prüfen, ob es möglich wäre, wie es funktionieren könnte, welche Menschen und Mittel es bräuchte.

Die Geschichte zeigt zugleich, dass positives Denken allein nicht genügt. 2014 wurde die Expedition von einer tödlichen Eislawine überschattet, 2015 folgte das schwere Erdbeben in Nepal. Zweimal Abbruch. Holzers Schluss daraus: Manchmal muss man ein Projekt in den Keller stellen. Durchhalten um jeden Preis ist nicht automatisch Stärke. 2017 der dritte Versuch — währenddessen starb sein Vater nach einem schweren Schlaganfall. Zurückkehren oder weitergehen? Seine Mutter ermutigte ihn weiterzugehen. Er erreichte den Gipfel.

Daraus macht er keine Aufforderung, Achttausender zu besteigen. Jeder Mensch hat seinen eigenen Everest: ein Unternehmen, eine Krankheit, eine schwierige Beziehung, eine Ausbildung. Der Berg ist austauschbar. Die Frage bleibt: Was ist mein nächster Schritt?

## Felix Gottwald: Was davon üben wir jetzt?

Nach all diesen Geschichten brachte Felix Gottwald den Nachmittag zurück in den Alltag. Nicht: Was wissen wir jetzt? Sondern: Was üben wir?

Spitzensportler wissen, dass niemand durch Verstehen Weltklasse wird. Ein Athlet kann alles über Training wissen — wenn er nicht trainiert, verändert sich nichts. Warum sollte das bei mentalen Fähigkeiten anders sein? Seine zentrale These: Worin wir uns regelmäßig üben, darin werden wir besser. Wir können Jammern trainieren, Misstrauen, Angst, Vergleichen. Aber genauso Vertrauen, Zuhören, Dankbarkeit, Zuversicht, Gelassenheit, Präsenz. Verhalten ist damit nicht nur Charakter. Es ist teilweise Training — ein erstaunlich ermächtigender Gedanke.

### Der kleinste Pokal

Gottwald brachte seinen ersten kleinen Pokal mit. Nicht die olympischen Medaillen, sondern den Anfang — aus einer Zeit, in der überhaupt nicht klar war, wohin der Weg führen würde. Wenn wir auf erfolgreiche Menschen schauen, sehen wir das Ergebnis. Nicht die ersten schlechten Versuche, die Zweifel, die abwertenden Prognosen, die tausenden Wiederholungen.

Aus seiner frühen Zeit in Stams erzählte er von einer ernüchternden Einschätzung: schulisch schwierig, sportlich wenig Perspektive. Die Karriere, die später beinahe zwei Jahrzehnte dauern sollte, hätte nach wenigen Wochen enden können. Sein Gedanke dazu: Wie soll nach wenigen Wochen feststehen, was nach Jahren des Übens möglich ist?

Hier berühren sich Gottwald und Holzer. Der eine sagt: Menschen urteilen auf Grundlage des kurzen Ausschnitts, den sie sehen. Der andere: Der heutige Leistungsstand sagt nichts Endgültiges über das Entwicklungspotenzial. Beide warnen vor demselben Fehler — Momentaufnahme mit Möglichkeit zu verwechseln.

### Geschichten von außen, Geschichten von innen

Gottwald erzählte von einer Bergsteigerin. Viele diskutieren vorher über Risiken: Ist das sinnvoll, ist das Wetter gut genug, sollte man umdrehen? Sie erreicht schließlich den Gipfel. Sie ist taub — sie konnte die Geschichten der anderen gar nicht hören. Welche Geschichten hören wir von außen, und welche erzählen wir uns selbst? Nicht jede Warnung ist falsch. Aber nicht jede Warnung ist unsere Wahrheit.

Dabei machte er eine wichtige Unterscheidung: Angst ist nicht automatisch der Feind. Beim Skispringen bemerkte er vor einem Sprung Unsicherheit. Statt die Angst wegzudenken, kontrollierte er seine Bindung — und tatsächlich gab es einen Grund zur Vorsicht. Mut bedeutet nicht, Angst zu ignorieren. Mut bedeutet herauszufinden, ob diese Angst ein relevantes Feedback ist oder nur eine alte Geschichte erzählt.

Der Körper gibt permanent solche Informationen: Spannung, Müdigkeit, Unruhe, Energie, Freude. Wir trainieren aber häufig, diese Signale zu übergehen — Kopfhörer, Smartphone, Arbeit, Termine, immer Input. Der Körper wird irgendwann laut, und wir hören trotzdem kaum mehr zu.

### Künstliche und natürliche Intelligenz

Hier kam für mich einer der aktuellsten Gedanken des Tages. Gottwald sagte sinngemäß: Wir beschäftigen uns massiv mit künstlicher Intelligenz. Vielleicht sollten wir gleichzeitig wieder mehr natürliche Intelligenz trainieren.

Das ist nicht technikfeindlich. Es ist wahrscheinlich genau die richtige Ergänzung. KI wird immer besser darin, Informationen aufzubereiten, Texte zu erzeugen, Zusammenhänge zu analysieren, Prozesse zu automatisieren. Dadurch stellt sich eine neue Frage: Was bleibt eigentlich unsere Aufgabe? Vielleicht genau das — wahrnehmen, einordnen, zuhören, Verantwortung übernehmen, Beziehungen gestalten, Urteilskraft entwickeln.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht „Mensch oder KI?", sondern: Wie setzen wir KI immer besser ein und verhindern gleichzeitig, dass unsere menschlichen Fähigkeiten verkümmern? Je mehr Wissen jederzeit verfügbar ist, desto wichtiger wird Urteilskraft. Je mehr Inhalte erzeugt werden können, desto wichtiger wird Aufmerksamkeit. Je mehr Kommunikation automatisiert wird, desto wertvoller wird echte Begegnung. Und je effizienter Prozesse werden, desto entscheidender die Frage, wofür wir die gewonnene Zeit nutzen.

Sein Bild dazu: Eine Familie trainiert gemeinsam, alle haben Kopfhörer auf. Der Vater gerät an einem Gerät in Schwierigkeiten und ruft. Die eigene Familie hört ihn nicht. Menschen sind physisch nebeneinander und trotzdem getrennt. Das Problem ist nicht der Kopfhörer, sondern die Frage, wie viel von unserer Umwelt wir überhaupt noch wahrnehmen.

### Zuhören beginnt innen

Gottwald führte eine kleine Übung durch. Augen schließen, Atmung wahrnehmen, präsent werden. Dann zu sich selbst sagen: „Jetzt bin ich ganz für dich da." Und: „Was kann ich für dich tun?" Wir sprechen viel über Zuhören, aber viele Menschen hören sich selbst kaum noch zu. Wer ständig gegen sich arbeitet, wird auch anderen nur begrenzt echte Aufmerksamkeit schenken können.

Auf den Sport übertragen: Athleten können gegeneinander unterwegs sein, miteinander — oder füreinander. In Teams entsteht eine andere Qualität, wenn der Erfolg des anderen nicht automatisch die eigene Niederlage ist. Auch das ist gepflegte Abhängigkeit.

### Der Weg ist das Ziel — konkreter

Der Satz klingt abgegriffen. Gottwalds Lesart ist sehr konkret: Ziele können uns im Weg stehen. Wer permanent an Olympia denkt, verliert die Qualität des heutigen Trainings. Wer permanent an den Unternehmenserfolg denkt, verpasst den heutigen Kunden. Am Berg wird das besonders klar. Natürlich will man auf den Gipfel — das eigentliche Ziel lautet aber, wieder gut heimzukommen. Deshalb kehren gute Bergsteiger manchmal wenige Meter vor dem Gipfel um. Das ist kein Scheitern, sondern Urteilskraft. Nicht jedes Ziel ist jeden Preis wert: nicht jedes Wachstum, nicht jeder Auftrag, nicht jede Expansion.

### Drei Werkzeugfragen

Gegen Ende wurde Gottwald immer praktischer. Die erste Frage ist humorvoll und brutal wirksam:

> Sind das jetzt schon die Ausreden, oder kommen die erst noch?

Keine Zeit, zu teuer, zu kompliziert, nicht zuständig, noch nicht perfekt, andere müssen zuerst. Wer diese Mechanik früh erkennt, kann eine zweite Frage stellen: **Wofür ist das jetzt die Gelegenheit?** Stau — Gelegenheit für Ruhe. Kritik — Gelegenheit zu lernen. Ein gescheitertes Projekt — Gelegenheit, ein System zu überprüfen. Ein schwieriger Mitarbeiter — Gelegenheit, Führung zu üben. Eine Krise ist nicht automatisch etwas Gutes, aber oft eine Gelegenheit, etwas sichtbar zu machen, das vorher verborgen war.

Und die dritte, vielleicht wichtigste Umsetzungsfrage: **Wie geht es einfacher?** Viele gute Ideen scheitern daran, dass sie im Alltag nicht lebbar sind. Einfachheit ermöglicht Wiederholung. Wiederholung erzeugt Übung. Übung erzeugt Fähigkeit. Fähigkeit verändert Verhalten.

### Die drei Fragen des Großvaters

Gottwald erzählte eine Geschichte seines Großvaters. Ein Kaiser möchte seinem Volk dienen und sucht nach Weisheit. Am Ende bleiben drei Fragen — die vielleicht kompakteste Zusammenfassung des Nachmittags.

**Wann ist der wichtigste Zeitpunkt?** Jetzt. Das heißt nicht: keine Zukunftsplanung. Es heißt: Handeln kann ich nur jetzt.

**Wer ist der wichtigste Mensch?** Der, der gerade vor mir steht. Und wenn niemand da ist: ich selbst. Eine erstaunlich praktische Definition von Aufmerksamkeit.

**Wie soll ich tun, was ich tue?** Mit Liebe. Gottwald machte daraus keine große Philosophie; er sprach von der „kleinen Liebe". Wie begrüße ich jemanden? Wie schreibe ich diese Mail? Wie gebe ich Feedback? Wie gehe ich mit jemandem um, der mich gerade nervt?

### Was bleibt, wenn wir gehen

Am Ende las Gottwald aus seinem Buch und erzählte von seinem Vater und dessen früherer Autowerkstatt. Jahre später begegneten ihm Menschen mit Geschichten: Bei deinem Vater habe ich mein erstes Auto gekauft. Er war mein erster Chef. Er war ein feiner Mensch. Das war das eigentliche Vermächtnis — nicht die Werkstatt, nicht die Maschinen, nicht der Umsatz. Sondern wie sich Menschen Jahrzehnte später an jemanden erinnern.

> Was bleibt, entsteht im Heute.

Wir bauen unser Vermächtnis nicht am Ende des Lebens. Wir bauen es heute, in Gesprächen, Entscheidungen, Begegnungen. Es ist die Summe tausender kleiner Situationen.

## Die Widersprüche des Tages

Besonders interessant war, dass sich die Beiträge nicht widerspruchsfrei ineinanderfügten. Genau das machte sie wertvoll.

- Dogs: Lerne, allein zu sein. Holzer: Akzeptiere, dass wir voneinander abhängig sind.
- Dogs: Übernimm Verantwortung für dein Leben. Weber: Nicht jeder kann sich aus jeder Situation einfach frei entscheiden.
- Holzer: Lass dich von Passanten nicht begrenzen. Gottwald: Höre auf Angst und Feedback, wenn sie relevante Informationen enthalten.
- Gottwald: Ziele können uns vom Heute abhalten. Holzer: Ein großes Ziel kann enorme Entwicklung auslösen.

Jedes Mal stimmt beides. Vielleicht liegt darin eine der wichtigsten Erkenntnisse: Es gibt selten eine einzige richtige Lebensregel. Eigenständigkeit und Abhängigkeit, Mut und Vorsicht, Zufriedenheit und Entwicklung, Stille und Begegnung, Technologie und Natur, große Ziele und kleine Schritte. Die Kunst liegt nicht darin, sich für eine Seite zu entscheiden. Sondern zu erkennen: Wann brauche ich was?

## Was das für Führung, Innovation und KI bedeutet

**Für Führung** steckt in diesem Nachmittag enorm viel. Nicht alle Antworten müssen von oben kommen; eine Organisation braucht Menschen, die Verantwortung nach oben spiegeln. Passanten sind von Experten zu unterscheiden — das heißt nicht, Kritik zu ignorieren, sondern zu verstehen, wer auf welcher Grundlage urteilt. Teams werden nicht stark, indem alle gleich werden, sondern indem Fähigkeiten sich ergänzen. Jedes Unternehmen hat Abhängigkeiten von Kunden, Lieferanten, Mitarbeitenden, Systemen, Kapital und Partnern; die Frage ist nicht, ob, sondern wie gepflegt sie sind. Und Zuhören ist Führungsarbeit.

**Für Innovation** ist die Passanten-Geschichte fast eine Metapher. Innovation heißt per Definition, dass etwas in dieser Form noch nicht existiert — Menschen können es also nicht aus Erfahrung beurteilen. Darum braucht sie einen klugen Umgang mit Kritik: Ist das ein echter technischer Einwand? Oder lediglich „Das habe ich noch nie gesehen"?

**Für KI** ist Gottwalds Satz hochrelevant. Wenn Maschinen immer mehr kognitive Aufgaben übernehmen, kann die menschliche Antwort nicht lauten, noch maschinenähnlicher zu werden — schneller, mehr Output, mehr Parallelität. Vielleicht genau umgekehrt: Je leistungsfähiger KI wird, desto wertvoller werden Empathie, Urteilskraft, Verantwortung, Mut, Beziehungsfähigkeit, Körperwahrnehmung, Präsenz.

KI muss nicht dazu führen, dass Menschen weniger menschlich werden. Sie könnte Routinearbeit reduzieren und administrative Last senken — und damit Raum schaffen für Gespräch, Beziehung, Kreativität, Führung. Aber nur dann, wenn wir die gewonnene Zeit nicht sofort wieder mit Aufgaben auffüllen. Sonst bekommen wir mehr Effizienz, mehr Output, mehr Termine, mehr Reize — und nicht unbedingt ein besseres Leben.

## Einen Schritt näher — wozu?

Am Ende lässt sich der Titel auf mehreren Ebenen lesen.

- **Zu mir selbst:** Stille, Selbstwahrnehmung, Alleinsein, Körper, eigene Geschichten.
- **Zum anderen:** Zuhören, Aufmerksamkeit, Anerkennung, Ehrlichkeit.
- **Zur Möglichkeit:** Passanten nicht mit Wahrheit verwechseln, Voraussetzungen entwickeln, ausprobieren, üben.
- **Zur Zusammenarbeit:** gepflegte Abhängigkeit, Führung ermöglichen, Unterschiede nutzen.
- **Zur Zukunft:** Geschichten erzählen, die Zukunft vorstellbar machen. KI einsetzen, natürliche Intelligenz erhalten.
- **Zum Leben:** nicht irgendwann. Heute.

### Sechs Fragen, die bleiben

Wenn man den Nachmittag auf wenige Fragen reduziert, bleiben für mich diese:

- Sind das gerade schon meine Ausreden — oder kommen die erst noch?
- Wofür ist das jetzt die Gelegenheit?
- Wie geht es einfacher?
- Was übe ich eigentlich jeden Tag?
- Wer ist gerade der wichtigste Mensch?
- Was entsteht heute durch mich, das vielleicht irgendwann bleibt?

Wer diese sechs Fragen regelmäßig stellt, braucht wahrscheinlich tatsächlich weniger neue Methoden.

### Ein kleines Betriebssystem

Aus allen Beiträgen lässt sich fast ein persönliches Betriebssystem formulieren. Weniger vergleichen, mehr wahrnehmen. Weniger vorschnell urteilen, mehr fragen. Nicht jeden überzeugen, aber den eigenen Weg prüfen und weitergehen. Allein sein können und trotzdem andere brauchen dürfen. Technologie nutzen, ohne die eigene Wahrnehmung auszulagern. Große Ziele haben, aber den heutigen Schritt sauber setzen. Nicht auf den perfekten Zeitpunkt warten — der wichtigste Zeitpunkt ist jetzt.

## Was bleibt

Wahrscheinlich nicht jeder Satz, nicht jedes Beispiel, nicht jede Geschichte. Das muss auch nicht sein. Gottwald sprach vom Bild eines kleinen Pflänzchens: Man muss nicht mit einem Rucksack voller Erkenntnisse nach Hause gehen. Vielleicht reicht ein Gedanke. Aber um den muss man sich kümmern, sonst vertrocknet er. Bei einem bleibt die Stille. Bei einer anderen die Passanten, die gepflegte Abhängigkeit, die natürliche Intelligenz, der kleinste Pokal. Oder schlicht: jetzt.

Niedere242 war letztlich kein Tag über außergewöhnliche Menschen, obwohl außergewöhnliche Menschen auf der Bühne standen. Es war ein Tag über sehr gewöhnliche menschliche Fragen. Wie gehe ich mit mir um, mit anderen, mit Angst, mit Erwartungen, mit Abhängigkeit, mit Rückschlägen, mit Möglichkeiten, mit Technologie — und mit meiner begrenzten Zeit?

Am Ende braucht es keine perfekte Lebensphilosophie, keine neue App, keinen weiteren Optimierungsplan. Vielleicht reicht es, morgen aufzuwachen und zu fragen: Was möchte ich heute üben? Wer ist der Mensch, dem ich gerade meine Aufmerksamkeit schenken sollte? Und wenn andere sagen „Das geht nicht", zu prüfen: Ist das ein wertvoller Hinweis — oder steht gerade nur ein Passant an meinem Weg?

Dann bleibt eine letzte Frage: Wie möchte ich diesen nächsten Schritt gehen? Vielleicht lautet die einfachste Antwort: aufmerksam, gemeinsam, mutig, mit etwas weniger Perfektionsanspruch. Und, wie Felix Gottwald es nannte, mit ein bisschen mehr kleiner Liebe.

Denn was bleibt, entsteht im Heute.

---

Christoph J. Sorg ist gelernter Forstwirt und studierter Mechatroniker. Er lebt im Bregenzerwald in Vorarlberg und baut seit rund zwanzig Jahren Systeme an der Schnittstelle von Industrie, Bauen und Technologie: erst Antriebe und Onboard-Charging in der Elektromobilität, dann Innovation und Joint Ventures in einer Bauholding, dann eine branchenübergreifende Innovationsplattform für die Vorarlberger Industrie, dann regenerative Wertschöpfung. Heute verantwortet er Vertrieb und KI-Transformation bei WoodRocks und myblock im industriellen Holzsystembau. Am liebsten arbeitet er an Systemrändern: dort, wo zwei Bereiche aneinanderstoßen und etwas entsteht, das in keinem von beiden möglich war.
